Udo Lindenberg singt es – und genau so denken wir: hier der Körper, da das Ich. Über einen uralten Denkfehler und darüber, was Ihr Körper Ihnen wirklich sagen will.
„Mein Body, Du und ich" – das klingt erstmal wie ein lockerer Songtext. Ist es auch: Udo Lindenberg singt das.
Aber genauso denken wir doch, oder? Das ist mein Körper, und da bin ich. Zwei getrennte Welten. Ich gegen meinen Rücken, ich gegen meine Müdigkeit, ich gegen meinen Kopfschmerz.
Diese Idee ist uralt. Sie nennt sich Dualismus: hier der Körper, da der Geist, dazwischen irgendwo die Seele. Das klingt logisch – ist aber ziemlich überholt und wissenschaftlich daneben.
Für Ihren Körper macht es keinen Unterschied, ob Sie ein Virus angreift oder ein verletzender Kommentar trifft. Ob Sie sich das Knie stoßen oder Ihr Kollege Sie fertig macht. Ob Sie körperliche Schmerzen haben oder emotionalen Stress.
In Ihnen läuft immer derselbe Film ab: Achtung – Stress – Bedrohung. Reagier sofort! Und dann geht es los.
Ihr Organismus beantwortet jede Bedrohung mit demselben Programm – egal, ob sie von außen kommt oder von innen, ob sie den Körper trifft oder die Seele. Vier Systeme springen gleichzeitig an:
Springt an und schaltet auf Alarmbereitschaft.
Wird aktiv und flutet den Körper mit Stresshormonen.
Fährt hoch, um Sie zu verteidigen.
Wird umgebaut – alles für die Abwehr, nichts für die Erholung.
Läuft dieses Programm zu lange – wird die Belastung chronisch –, dann meldet sich Ihr Körper. Nicht um Sie zu nerven, sondern um Sie zu warnen und zu schützen.
Erschöpfung, Schlafstörungen, Schmerzen, Infekte: Das ist weder mangelnde Belastbarkeit noch Schwäche. Das sind keine eingebildeten Beschwerden und kein „Stell dich nicht so an".
Wenn Körper, Seele und Geist so eng verbunden sind, dann können wir das nicht einfach ignorieren und erwarten, dass alles immer gut bleibt. Sie können nicht dauerhaft Vollgas geben und hoffen, dass Ihr System das schon irgendwie regelt. Es wird überlastet, dauerbelastet, kommt aus dem Gleichgewicht – bis es nicht mehr richtig funktioniert.
Andersherum funktioniert es aber auch nicht: dauernd liegen, nichts machen, nicht lebendig sein. Dann ist das System unterfordert, kommt ebenfalls aus dem Gleichgewicht und reguliert Körper, Seele und Geist nicht mehr richtig.
Wenn Sie Ihrem System ausgeglichene Herausforderungen geben statt Überlastung und Bedrohung – wenn Sie nicht nur funktionieren wie ein Maschinchen, sondern auch auftanken – wenn Sie also Herausforderungen haben, aber auch echte Erholung: Dann signalisiert das Ihrem System Sicherheit statt Bedrohung.
Und dann passiert genau das Gegenteil. Ihr Körper entspannt sich. Ihr Nervensystem fährt herunter. Das Immunsystem stabilisiert sich. Die inneren Regulationssysteme für Körper, Seele und Geist schwingen im Gleichgewicht.
Das ist die eigentliche Botschaft. Und ja – vielleicht hat jemand wie Udo Lindenberg seinen Körper nicht immer perfekt behandelt: Drogen, Alkohol, Rauchen, Stress, ein Termin nach dem anderen. Aber offensichtlich hatte er auch genug gute Momente, die ihn getragen haben. Genug Leben, genug Freude, genug Sinn. Achtzig Jahre – und immer noch da.
Es geht also nicht darum, wie sehr Sie Ihren Körper pushen können. Sondern wie gut Sie mit Körper, Seele und Geist zusammenarbeiten.