Ein Beitrag aus der Wollmarshöhe

Mauern überwinden

Manchmal stehen wir im Leben wie vor einer Mauer – unüberwindbar, so scheint es. Über den Moment der Ohnmacht und die Tür, die fast jede Mauer hat.

Dr. med. Kilian Mehl  ·  Klinikleitung
Der Moment

Vor einer Mauer

Oft stehen wir im Leben wie vor einer Mauer. Einer unüberwindbaren Mauer.

Wir starren auf die Steine, auf die Höhe, auf die Dicke. Wir sind fassungslos, hilflos, ohnmächtig. Und je länger wir hinsehen, desto größer wird sie.

Diese Mauer hat viele Gestalten. Mal steht sie über Nacht da – eine Diagnose, ein Verlust, ein Zusammenbruch. Mal ist sie über Monate gewachsen, Stein um Stein, so leise, dass wir sie erst bemerkt haben, als sie uns den Weg schon versperrte. Eine Erschöpfung, die nicht mehr weichen will. Eine Angst, die den Alltag enger macht. Ein Schmerz, für den sich kein Wort finden lässt.

Der eigentliche Feind
Nicht die Mauer lähmt uns.
Die Hoffnungslosigkeit tut es.
Am Tiefpunkt

„Ich kann nicht mehr."

So ist es schon vielen ergangen. Sie gehen zum Arzt und sagen: „Herr Doktor, es geht nicht mehr weiter. Hier ist das Ende. Ich kann nicht mehr, ich bin erledigt."

Aber das ist nicht so.

Dieser Satz – „Ich kann nicht mehr" – ist kein Zeichen von Schwäche. Er ist der ehrlichste, den ein Mensch sagen kann, und oft der erste, der etwas in Bewegung bringt. Denn wer ausspricht, dass er allein nicht weiterkommt, hört auf, gegen die Mauer anzurennen. Er lässt jemanden an seine Seite – und beginnt, statt nach der Höhe nach der Tür zu suchen.

Meist hat die Mauer eine Tür. Ein Tor. Man muss es nur finden.
Der Weg

Kein schneller Weg

Klar, das ist ein Weg, der etwas Zeit braucht. Da gibt es keine Pillen, keine schnellen Operationen.

Das klingt zunächst ernüchternd. Doch es ist keine schlechte Nachricht. Was die Seele verletzt hat, lässt sich nicht wegoperieren und nicht überspringen – es will verstanden, gefühlt und Schritt für Schritt gelöst werden. Gerade darin liegt die Chance: Ein Weg, den man wirklich geht, trägt weiter als jede Abkürzung, die am Ende keine war.

Aber diese Zeit sollte man sich nehmen. Und man muss sie nicht allein gehen – sondern mit dem, was einen trägt.

Was trägt

Vier Dinge für den Weg

Niemand muss die Tür allein suchen. Vier Dinge helfen, sie zu finden – und die ersten drei trägt jeder schon in sich:

01

Selbstvertrauen

Sich selbst wieder etwas zutrauen. Nicht alles auf einmal – nur den nächsten Schritt.

02

Gelassenheit

Nicht drängen. Der Weg braucht Ruhe statt Druck – und Geduld mit sich selbst.

03

Achtsamkeit

Wahrnehmen, was ist – statt nur auf die Mauer zu starren. Auch das Kleine, das schon wieder gut tut.

04

Ein Team, dem man vertraut

Ärzte, Psychologen und Menschen, die den Weg kennen. Damit man ihn nicht allein gehen muss.

Die Wende

Und dann bewegt sich etwas

Wer sich diese Zeit nimmt und sich begleiten lässt, sieht irgendwann nicht mehr nur die Steine, die Höhe, die Dicke. Sondern die Stelle, an der sich die Mauer öffnet.

Nicht mit einem Paukenschlag. Eher wie Licht, das durch einen Spalt fällt: ein Morgen, an dem das Aufstehen leichter fällt. Ein Gespräch, das nachwirkt. Ein Gedanke, der nicht mehr nur um die Mauer kreist. Und auf einmal steht sie nicht mehr im Mittelpunkt.

Dann werden Sie die Tür, das Tor, finden.
Am Ende
Und dann wird es Ihnen
wieder gut gehen.

Dr. med. Kilian Mehl

Klinikleitung Wollmarshöhe

„Unsere Patienten sollen körperlich, seelisch und geistig gestärkt wieder auf eigenen Beinen stehen und autonom und selbstbestimmt ihr eigenes, gesundes Leben gestalten können. Diesen Prozess zu begleiten, das ist unser Auftrag, den wir Tag für Tag erfüllen."

Approbation Univ. zu Köln · Promotion Univ. Ulm · Lehrauftrag European Univ. Wien, Belgrad