Über das Gefühl der Ohnmacht in unruhigen Zeiten – und die Frage, was wir trotzdem in der Hand haben.
Gewalt, Unsicherheit, große Worte mit wenig dahinter – und mitten in alldem stehen wir.
Viele Menschen tragen in diesen Monaten ein Gefühl mit sich, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Eine diffuse Ohnmacht, eine Hilflosigkeit, als hätte man den Einfluss auf das eigene Leben verloren. Als geschehe alles mit einem – und nichts mehr durch einen.
Dieses Gefühl ist verständlich. Aber wenn man ihm folgt, führt es an einen Punkt, an dem ein Denkfehler beginnt. Einer, der am Ende mehr kostet als die Krisen selbst.
Die großen Verhältnisse haben wir nicht in der Hand. Die Politik nicht, die Krisen nicht, andere Menschen schon gar nicht. Wer darauf wartet, dass sich das von außen bessert, wartet meist vergeblich.
Was aber sehr wohl in unserer Hand liegt, ist etwas anderes – und es ist nicht wenig. Es ist die eigene Person: der eigene Alltag, der Körper, der Kopf, die Seele. Dafür Verantwortung zu übernehmen, mindestens für sich selbst, ist kein Rückzug aus der Welt. Es ist die Voraussetzung dafür, ihr überhaupt gewachsen zu sein.
So einfach das klingt, so schwer fällt es. Denn es ist bequemer, sich abzulenken, als hinzusehen. Scrollen, konsumieren, fordern, sich empören – all das verschafft kurzfristig Erleichterung und kostet keine Mühe. Wirklich hinzuschauen kostet Mühe.
Und der erste Blick, der sich lohnt, ist der auf sich selbst.
Es lohnt sich, dieser Frage ehrlich nachzugehen, statt sie zu überspringen. Was tragen Sie mit sich herum, das längst Gewicht hat? Was schieben Sie seit Wochen vor sich her, was reden Sie sich schön, was ignorieren Sie? Und vor allem: Was tun Sie aktiv für sich – nicht im Kopf, sondern tatsächlich?
Die meisten verschieben das auf später. Auf ruhigere Zeiten, auf mehr Muße, auf den Moment, in dem die Umstände es leichter machen. Doch dieser Moment kommt selten von allein.
Was Gesundheit trägt, ist unspektakulär. Klarheit, Ruhe und Entspannung gehören dazu, ebenso Bewegung, Ernährung und das Ordnen privater Dinge, die man zu lange hat liegen lassen. Nichts davon ist Luxus. Es sind die Grundlagen, auf denen ein gesundes, gelingendes Leben überhaupt erst steht – gerade in einer Zeit, in der wir ein Gefühl von Stabilität brauchen.
Wissen, wie es Ihnen wirklich geht – und was zu tun ist.
Momente ohne ständige Reize, in denen sich der Kopf wieder ordnet.
Anspannung lösen, bevor sie sich im Körper festsetzt.
Den Körper fordern – Grundlage für ein stabiles Befinden.
Was Sie zu sich nehmen, trägt mit, wie es Ihnen geht.
Private Angelegenheiten ordnen, statt sie weiter mitzuschleppen.
Ob und wann Sie etwas ändern, müssen Sie für sich selbst entscheiden. Geht es Ihnen schlecht, ist der Weg zum Arzt oder Therapeuten kein Zeichen von Schwäche, sondern der vernünftigste erste Schritt.
Natürlich kann man auch abwarten, ob es von allein besser wird. Manchmal wird es das. Häufiger aber verschiebt man damit nur, was ohnehin ansteht – oder das Befinden verschlechtert sich in der Zwischenzeit. Auch Nichtstun ist eine Entscheidung, nur eine, die man selten bewusst trifft.
Nicht irgendwann, nicht „noch vielleicht". Ein Sommerurlaub mag guttun, aber er trägt selten weit; er ist eine Pause, keine Grundlage. Was wirklich verändert, ist die Entscheidung anzufangen – und der erste Schritt, der ihr folgt.