Ein Beitrag aus der Wollmarshöhe

Bleib nicht stehen!

Über das Gefühl der Ohnmacht in unruhigen Zeiten – und die Frage, was wir trotzdem in der Hand haben.

Dr. med. Kilian Mehl  ·  Klinikleitung
Das Gefühl

Die Welt fühlt sich gerade ungemütlich an

Gewalt, Unsicherheit, große Worte mit wenig dahinter – und mitten in alldem stehen wir.

Viele Menschen tragen in diesen Monaten ein Gefühl mit sich, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Eine diffuse Ohnmacht, eine Hilflosigkeit, als hätte man den Einfluss auf das eigene Leben verloren. Als geschehe alles mit einem – und nichts mehr durch einen.

Dieses Gefühl ist verständlich. Aber wenn man ihm folgt, führt es an einen Punkt, an dem ein Denkfehler beginnt. Einer, der am Ende mehr kostet als die Krisen selbst.

Der Denkfehler
Wer glaubt, nichts beeinflussen zu können,
verliert sich selbst.
Was wir in der Hand haben

Was wir nicht ändern können – und was doch

Die großen Verhältnisse haben wir nicht in der Hand. Die Politik nicht, die Krisen nicht, andere Menschen schon gar nicht. Wer darauf wartet, dass sich das von außen bessert, wartet meist vergeblich.

Was aber sehr wohl in unserer Hand liegt, ist etwas anderes – und es ist nicht wenig. Es ist die eigene Person: der eigene Alltag, der Körper, der Kopf, die Seele. Dafür Verantwortung zu übernehmen, mindestens für sich selbst, ist kein Rückzug aus der Welt. Es ist die Voraussetzung dafür, ihr überhaupt gewachsen zu sein.

Warum es schwerfällt

Warum das Naheliegende das Schwerste ist

So einfach das klingt, so schwer fällt es. Denn es ist bequemer, sich abzulenken, als hinzusehen. Scrollen, konsumieren, fordern, sich empören – all das verschafft kurzfristig Erleichterung und kostet keine Mühe. Wirklich hinzuschauen kostet Mühe.

Und der erste Blick, der sich lohnt, ist der auf sich selbst.

Am besten zuerst auf sich selbst.
Die eigentliche Frage

Wie geht es Ihnen gerade wirklich – und warum?

Die Fragen

Es lohnt sich, dieser Frage ehrlich nachzugehen, statt sie zu überspringen. Was tragen Sie mit sich herum, das längst Gewicht hat? Was schieben Sie seit Wochen vor sich her, was reden Sie sich schön, was ignorieren Sie? Und vor allem: Was tun Sie aktiv für sich – nicht im Kopf, sondern tatsächlich?

Die meisten verschieben das auf später. Auf ruhigere Zeiten, auf mehr Muße, auf den Moment, in dem die Umstände es leichter machen. Doch dieser Moment kommt selten von allein.

Nicht erst, wenn die Welt wieder ruhiger wird. Sondern jetzt.
Die Grundlage

Keine Luxus­themen, sondern Grundlagen

Was Gesundheit trägt, ist unspektakulär. Klarheit, Ruhe und Entspannung gehören dazu, ebenso Bewegung, Ernährung und das Ordnen privater Dinge, die man zu lange hat liegen lassen. Nichts davon ist Luxus. Es sind die Grundlagen, auf denen ein gesundes, gelingendes Leben überhaupt erst steht – gerade in einer Zeit, in der wir ein Gefühl von Stabilität brauchen.

01

Klarheit

Wissen, wie es Ihnen wirklich geht – und was zu tun ist.

02

Ruhe

Momente ohne ständige Reize, in denen sich der Kopf wieder ordnet.

03

Entspannung

Anspannung lösen, bevor sie sich im Körper festsetzt.

04

Bewegung

Den Körper fordern – Grundlage für ein stabiles Befinden.

05

Ernährung

Was Sie zu sich nehmen, trägt mit, wie es Ihnen geht.

06

Klärung

Private Angelegenheiten ordnen, statt sie weiter mitzuschleppen.

Die Entscheidung

Warten ist auch eine Entscheidung

Ob und wann Sie etwas ändern, müssen Sie für sich selbst entscheiden. Geht es Ihnen schlecht, ist der Weg zum Arzt oder Therapeuten kein Zeichen von Schwäche, sondern der vernünftigste erste Schritt.

Natürlich kann man auch abwarten, ob es von allein besser wird. Manchmal wird es das. Häufiger aber verschiebt man damit nur, was ohnehin ansteht – oder das Befinden verschlechtert sich in der Zwischenzeit. Auch Nichtstun ist eine Entscheidung, nur eine, die man selten bewusst trifft.

Die Wahrheit

Tun Sie etwas für sich – und tun Sie es jetzt

Nicht irgendwann, nicht „noch vielleicht". Ein Sommerurlaub mag guttun, aber er trägt selten weit; er ist eine Pause, keine Grundlage. Was wirklich verändert, ist die Entscheidung anzufangen – und der erste Schritt, der ihr folgt.

Sie sind nicht machtlos. Vielleicht ist dieser Sommer genau der Moment, in dem Sie damit ernst machen.
Und dann
Dann wird es Ihnen
gut gehen.

Dr. med. Kilian Mehl

Klinikleitung Wollmarshöhe

„Unsere Patienten sollen körperlich, seelisch und geistig gestärkt wieder auf eigenen Beinen stehen und autonom und selbstbestimmt ihr eigenes, gesundes Leben gestalten können. Diesen Prozess zu begleiten, das ist unser Auftrag, den wir Tag für Tag erfüllen."

Approbation Univ. zu Köln · Promotion Univ. Ulm · Lehrauftrag European Univ. Wien, Belgrad